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Tumorklassifikation

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Da es verschiedene Tumorarten gibt und diese unterschiedliche Eigenschaften aufweisen, ist es sinnvoll, einen Tumor zu klassifizieren. Dabei werden Aussagen zu Bösartigkeit, Lokalität, Größe und Ausbreitung des Tumors gemacht.

Der Grad der Bösartigkeit (Malignitätsgrad) des untersuchten Tumorgewebes wird bestimmt, indem die Übereinstimmung der Tumorzellen mit dem Gewebe (z. B. Lebergewebe, Hautgewebe, etc.) geprüft wird, aus dem sie hervorgegangen sind. Man spricht hier auch von Differenzierung. Umso stärker die Tumorzellen noch mit dem ursprünglichen Gewebe übereinstimmen, desto höher ist die Differenzierung und desto geringer ist die Bösartigkeit des Tumors. Umgekehrt nimmt die Bösartigkeit mit geringer werdendem Differenzierungsgrad zu.

Histologische Einteilung von Tumorzellen

Histologische Einteilung (Grading) von Tumorzellen (nach UICC = Union Internationale Contre le Cancer)

  • Grad 1 (G1): gut differenziertes bösartiges Gewebe («low-grade»), hohe Übereinstimmung mit dem Ursprungsgewebe
  • Grad 2 (G2): mäßig differenziertes bösartiges Gewebe
  • Grad 3 (G3): schlecht/niedrig differenziertes bösartiges Gewebe
  • Grad 4 (G4): nicht differenziertes oder undifferenziertes bzw. anaplastisches bösartiges Gewebe («high-grade»), so dass der Tumor manchmal nicht mehr oder nur durch immunhistochemische Untersuchungen einem bestimmten Ausgangsgewebe zugeordnet werden kann
  • Grad 9 (G9): der Grad der Differenzierung ist nicht zu beurteilen

TNM-Klassifikation

Sobald wie möglich wird der Arzt versuchen, die Tumorzellen nicht nur histologisch einzuteilen, sondern die Krebserkrankung insgesamt zu klassifizieren. Oft kann erst nach einer Operation eine zutreffende Klassifikation vorgenommen werden. Das verbreitetste System zur Klassifikation von Tumorerkrankungen ist das international gültige TNM-Schema. Die Klassifikation erlaubt den Ärzten, anhand einer kurzen Buchstaben-/Zahlen-Kombination die wesentlichen Daten zum Tumor zusammenzufassen. Diese Angaben sind somit oft auch in Arztbriefen und Patientenunterlagen zu finden.

Die Buchstaben sind Abkürzungen der englischen Wörter «tumor» (Tumor), «node» (Lymphknoten) und «metastasis» (Metastasen).

  • T = Tumor: Größe und Ausbreitung des Ursprungstumors, auch «Primärtumor» genannt.
  • N = Lymphknoten: Nachweis von Krebszellen in benachbarten Lymphknoten. Diese werden als Lymphknoten-Metastasen bezeichnet.
  • M = Metastasen: Nachweis von Krebszellen in anderen Körperregionen oder Organen. Man spricht dann von «Fernmetastasen».

TNM Zahlenangaben

Um die Ausdehnung der Erkrankung genauer eingrenzen zu können, sind den Buchstaben jeweils Ziffern beigestellt. Möglich sind T1 bis T4, N0 bis N3 sowie M0 und M1. Dabei steht die Null (N0, M0) dafür, dass Lymphknoten- oder Fernmetastasen nicht nachweisbar sind.

T1 bis T4 für den Primärtumor

Bei der Kategorie T beschreiben die Zahlen 1 bis 4 die zunehmende Größe und Ausbreitung des Primärtumors. Bei einigen Tumoren unterteilen die Fachleute noch genauer. Die T-Ziffern erhalten dann Zusätze mit den Kleinbuchstaben a bis d. So gibt es etwa bei Prostatakrebs nicht nur die Stadien T1 bis T4, sondern dazwischen auch noch die Stadien T2a bis T2c und T3a und T3b. Die Kriterien für die Klassifizierung der Kategorie T sind von der Tumorart abhängig.

N0 bis N3 für die Lymphknoten

Die Ziffern der N-Kategorie richten sich nach Zahl und Lage der von Krebszellen befallenen «regionären» Lymphknoten. Lymphknoten sind so etwas wie Filterstationen innerhalb des Lymphsystems. Regionär nennt man die Lymphknoten, die dem Lymphabflusssystem eines Organs oder einer Körperregion zugeordnet werden. Wenn sich also Krebszellen von einem Tumor ablösen und über die Lymphbahnen in den Körper wandern, dann lassen sie sich häufig zuerst in den Lymphknoten, die sich in der unmittelbaren Umgebung des Tumors befinden, nachweisen. So werden beispielsweise bei einer Brustkrebsoperation in der Regel auch die Lymphknoten der Achsel mit entfernt, da diese die nächstgelegenen Lymphknoten bei Brustkrebserkrankungen sind, um sie auf Tumorabsiedelungen hin zu untersuchen.

N0 bedeutet, dass in den regionären Lymphknoten des vom Tumor befallenen Organs keine Krebszellen nachgewiesen werden konnten. N1, N2 und N3 beschreiben den Befall immer mehr oder immer weiter vom Tumor entfernter regionärer Lymphknoten. Die Kriterien für die Klassifizierung der Kategorie N sind ebenfalls von der Tumorart abhängig.

M0 und M1 für Fernmetastasen

Bei der Kategorie M wird nur unterschieden, ob Fernmetastasen nachgewiesen wurden (M1) oder nicht (M0). Ein Arzt, der «Mammakarzinom T1N1M0» hört oder liest, weiß somit sofort, was dies bedeutet. Es handelt sich bei diesem Beispiel um Brustkrebs, und zwar um einen Tumor von einer Größe bis zu 2 cm (so ist T1 definiert), mindestens ein Lymphknoten ist geschwollen und wahrscheinlich auch befallen, aber es wurden keine Metastasen festgestellt. Auf Basis dieser Klassifikation kann dann die Prognose gestellt werden. Sie ist eine Vorhersage über den Krankheitsverlauf.

Die Prognose basiert auf den weltweiten Erfahrungen und Statistiken über Krebserkrankungen. Vielleicht fallen Sätze wie «Die Prognose ist gut» oder «Sie ist ungünstig», vielleicht werden auch genauere Anhaltspunkte gegeben, wie z. B. eine zu erwartende Überlebenszeit. So gibt es für alle Krebsarten statistische Heilungswahrscheinlichkeiten, Überlebensraten und -zeiten. Für das oben genannte Beispiel «Mammakarzinom T1N1M0» bedeutet dies, dass die statistische 5-Jahresüberlebensrate zwischen 83 bis 87 Prozent und die 10-Jahresüberlebensrate bei etwa 82 Prozent liegt. Somit leben nach 10 Jahren noch mehr als 80 Prozent der Patientinnen in diesem Brustkrebs-Stadium, sodass hier gute Heilungschancen bestehen

Es gilt aber zu bedenken, dass Statistiken nur eine Aussage über Wahrscheinlichkeiten machen. Denn niemand kann vorhersagen, ob ein Patient mit einer Krebserkrankung, die eine Sterbewahrscheinlichkeit von 99 Prozent hat, nicht gerade zu dem einen Prozent gehört, das geheilt wird.

In jedem Fall gilt: Die statistische Prognose einer Krebserkrankung ist immer nur eine Aussage über die Gesamtheit aller Patienten und hat für den ganz individuellen Einzelfall nur eine geringe Aussagekraft.

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