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Auswirkungen von Krebs auf den Menschen

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Körperliches Befinden

Eine Krebserkrankung betrifft nicht nur den Körper bzw. das befallene Organ, sondern hat sehr viele weitergehende Auswirkungen, die auf den ganzen Menschen Einfluss nehmen. So wird das Allgemeinbefinden empfindlich gestört. Krebspatienten fühlen sich häufig körperlich schlapp und müde. Oft werden sie von banalen Infektionen wie Erkältungskrankheiten geplagt, die nicht so schnell überwunden werden wie früher.

Der Grund dafür ist, dass das Immunsystem bei Krebspatienten geschwächt ist, es kann sich um seine Aufgaben nicht mehr ausreichend kümmern, und das Allgemeinbefinden wird stark beeinträchtigt. Diese Auswirkungen auf das Allgemeinbefinden haben nicht nur eine körperliche Dimension, sondern auch eine seelische, geistige und soziale, und alle Bereiche stehen in einer engen Wechselbeziehung zueinander.

Sehr häufig berichten Krebspatienten, als man ihnen die Diagnose eröffnet habe, sei für sie «die Welt zusammengebrochen» und sie seien «in ein schwarzes Loch gefallen». Und viele Fragen haben sich für sie aufgetan: Wie weit ist der Krebs schon fortgeschritten? Gibt es schon Metastasen? Wie sind meine Chancen auf Heilung?

Leider gibt es auf die wichtigste Frage, nach den Erfolgsaussichten der Behandlung, keine sichere Antwort, sondern nur Einschätzungen auf der Grundlage von Erfahrungen und Statistiken. Die Heilungsaussichten sind aber umso größer, je früher die Krebserkrankung erkannt und behandelt wird. Betroffene sollten auch nicht zögern, solange nachzufragen, bis sie auf alle Fragen eine ausreichende Erklärung erhalten haben. Außerdem sollte man sich nicht in Zeitdruck bringen lassen und darauf vertrauen, dass die vorgeschlagenen Therapien wirkungsvoll sind.

Seelisches Befinden

Im weiteren Verlauf der Krankheit kommen andere Belastungen des Allgemeinbefindens hinzu. Körperlich kann die Behandlung einen Menschen bis an die Grenze belasten, was sich wiederum seelisch auswirkt. Krebspatienten leiden häufig unter starken Stimmungsschwankungen zwischen Euphorie («Ich schaffe es») und Resignation («Ich habe ja doch nur noch ein paar Wochen zu leben»). Wenn man sich nun vor Augen hält, dass Stimmungen ihrerseits einen großen Einfluss auf die körperlichen Faktoren des Allgemeinbefindens haben, wird klar, dass Krebs weit mehr ist als nur ein Tumor. Krebspatienten brauchen Verständnis und Unterstützung.

Vielleicht ist die folgende Situation bekannt: Von einem bisher gesunden Freund oder Arbeitskollegen wird plötzlich erzählt, er habe Krebs. Man will ihn besuchen, ihm beistehen, wird dann aber unsicher. Soll man das Thema ansprechen oder warten, bis er von selbst darauf kommt? Soll man vom Tod sprechen, von Schmerzen oder soll das Gespräch auf einer leichten Ebene gehalten und die Erkrankung gar nicht angesprochen werden? Diese Unsicherheit im Umgang mit schwer Erkrankten hat jeder Mensch, und sogar Ärzte finden oft nicht den richtigen Ton.

Natürlich merkt ein Patient sofort, dass seine Mitmenschen plötzlich ihm gegenüber gehemmt sind und ihn manchmal wegen ihrer eigenen Unsicherheit sogar meiden. Er fühlt sich ausgegrenzt und allein gelassen. Eine Behandlung kann dieses Gefühl noch verstärken, denn ein Patient, der während einer Chemotherapie stark abnimmt und seine Haare verliert, kann unter Umständen mehr darunter leiden, dass ihn Kinder auf der Straße anstarren, als unter den schweren körperlichen Folgen der Behandlung.

Beide, die körperlichen und die seelischen Belastungen durch Krebs, schwächen den Allgemeinzustand eines Menschen, ohne dass das Karzinom direkt dafür verantwortlich ist. Jeder weiß, dass mit Krankheiten generell besser umgegangen werden kann, wenn man «seelisch stabil» ist. Leider kann gerade Krebs auch einen sonst sehr ausgeglichenen Menschen aus dem seelischen Gleichgewicht bringen, denn oft erfordert die Krankheit eine radikale Umstellung des Lebens.

Das Fachgebiet der Psychoonkologie beschäftigt sich mit den Zusammenhängen zwischen der Krebserkrankung und den Auswirkungen auf das gesamte Leben. Sie bietet den Betroffenen und Angehörigen zielgerichtet Unterstützung bei der Bewältigung der veränderten Lebenssituation. Auch ist es wichtig, sich möglichst einen Therapeuten seines Vertrauens zu suchen. Was einen guten Arzt und die richtigen Therapien auszeichnet, kann aber nur jeder selbst herausfinden und entscheiden.

Soziales und geistiges Befinden

Jährlich werden in Deutschland Zehntausende von Menschen durch Krebs berufsunfähig. So gesehen ist Krebs auch ein gesellschaftliches Problem. Dies weist uns auf eine weitere Dimension des Allgemeinbefindens hin, die soziale. Krebspatienten neigen dazu, sich zunächst von anderen Menschen zurückzuziehen. Umgekehrt leben wir in einer Gesellschaft der Gesunden, in der für Kranke immer weniger Platz ist. Dies macht es den Betroffenen schwer, angestammte soziale Beziehungen zu pflegen und sich selbst das ungeheuer wichtige Gefühl zu erhalten, wertvoll für die Mitmenschen zu sein. Wenn dieses Gefühl plötzlich durch eine Krebserkrankung verloren geht, kann die seelische Grundlage für die Bewältigung der Erkrankung verloren gehen. Wer aber ein gutes Vertrauensverhältnis zu seinen Mitmenschen oder seinem Arbeitgeber hat, kann in der Regel einschätzen, ob früher oder später ein offenes Wort zur Erkrankung angemessen ist.

Ein weiterer wichtiger Lebensinhalt liegt für manche Menschen in der geistigen Auseinandersetzung und Beschäftigung mit Themen, die für sie gerade bestimmend sind. Wenn jemand mit einem Beinbruch im Krankenhaus liegt, kann er die Zeit nutzen, um zum Beispiel viel zu lesen oder sogar selbst ein Buch zu schreiben. Krebspatienten dagegen berichten oft von starken Konzentrationsstörungen und dass sie sich geistig ausgelaugt, nicht mehr aufnahme- und leistungsfähig fühlen. Auch vor der geistigen Dimension des Allgemeinbefindens macht Krebs also nicht Halt.

Zusammenfassung

Es gilt also nicht nur, das Karzinom zu beseitigen, sondern auch eine Stärkung des Allgemeinbefindens zu bewirken. Das ist ein entscheidender Faktor für eine erfolgreiche Krebsbehandlung. Wenn der Patient, abgesehen vom Karzinom, körperlich in gutem Zustand, seelisch ausgeglichen und geistig aktiv ist, sind seine Aussichten weit besser. Genau dies ist der Ansatzpunkt der ganzheitlichen oder integrativen Krebsbehandlung.

Möglichkeiten zur Unterstützung des Patienten gibt es viele. Manchmal reicht es dabei schon aus, zu schauen, wo man Kraft tanken kann, um den Alltag nicht vorwiegend nach der Erkrankung auszurichten. Die Stimmung lässt sich oft schon durch kleine Freuden aufhellen. Dabei ist alles erlaubt, was Freude macht und gesundheitlich möglich ist.

Manchen Betroffenen hilft es, sich umfassend zu informieren. Mehr zu wissen über die eigene Erkrankung, nimmt Ängste und verschafft mehr Sicherheit bei Entscheidungen. Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und mehr über den täglichen Umgang mit der Erkrankung zu erfahren.

Viele Menschen berichten darüber, dass ihnen Entspannungstechniken geholfen haben, besonders belastende Situationen besser zu überstehen. Sie können negative und bedrückende Gefühle in Kursen oder Therapien verarbeiten, in denen sie ihre Kreativität ausleben oder entdecken können.
Auch psychosoziale Beratungsdienste und Kliniksozialdienste im Krankenhaus oder in Krebsberatungsstellen können eine wertvolle Unterstützung sein.

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